| Disziplin | Kreativitätsforschung / Differenzielle Psychologie |
| Studientyp | Meta-Analyse (63 Einzelstudien zusammengefasst) |
| Stichprobe | 24.298 Personen |
| Herkunft | International (verschiedene Länder und Kulturen) |
| Zeitschrift | Personality and Individual Differences |
| Autoren | Grajzel, Acar & Singer |
| Jahr | 2023 |
Worum ging es?
Was sagt unsere Persönlichkeit darüber aus, wie kreativ wir denken? Diese Meta-Analyse hat 63 Studien mit insgesamt über 24.000 Teilnehmenden zusammengefasst, um den Zusammenhang zwischen den Big Five und dem sogenannten divergenten Denken zu untersuchen. Divergentes Denken beschreibt die Fähigkeit, auf eine offene Frage möglichst viele verschiedene und originelle Antworten zu finden – einer der zuverlässigsten Indikatoren für kreatives Potenzial.
Was kam raus?
- Offenheit und Beständigkeit erwies sich als die mit Abstand relevanteste Dimension: Menschen mit hoher Ausprägung in Offenheit erzielten in Kreativitätstests durchgehend bessere Ergebnisse (r = 0,20).
- Extraversion und Introversion zeigte einen kleineren, aber ebenfalls messbaren Zusammenhang (r = 0,11). Personen mit höherer Extraversion brachten tendenziell mehr und vielfältigere Ideen hervor.
- Die drei übrigen Dimensionen – Gewissenhaftigkeit und Impulsivität, Verträglichkeit und Wettbewerbsorientierung sowie Sensibilität und Stabilität – zeigten keinen bedeutsamen Zusammenhang mit divergentem Denken.
Was heißt das eigentlich?
Kurz zum Hintergrund: Divergentes Denken ist nicht dasselbe wie Kreativität, aber einer ihrer wichtigsten Bausteine. In der Forschung wird es über Aufgaben gemessen wie: „Nenne so viele ungewöhnliche Verwendungen für einen Ziegelstein wie möglich.“ Bewertet wird, wie viele Ideen jemand hat (Ideenflüssigkeit), wie unterschiedlich sie sind (Flexibilität) und wie ungewöhnlich (Originalität). Es ist das Gegenstück zum konvergenten Denken, bei dem es genau eine richtige Lösung gibt.
Das Ergebnis dieser Meta-Analyse ist bemerkenswert eindeutig. Von allen fünf Persönlichkeitsdimensionen hängt ausschließlich Offenheit robust mit kreativem Denken zusammen – und zwar über alle untersuchten Kontexte hinweg. Das heißt: Unabhängig davon, ob die Daten von Studierenden in den USA, Schülern in Asien oder Berufstätigen in Europa stammen, ob verbale oder figurale Tests eingesetzt wurden – der Zusammenhang bleibt stabil. Das macht den Befund besonders belastbar.
Ebenso aufschlussreich ist, was keine Rolle spielt: Ob eine Person diszipliniert, kooperativ oder emotional stabil ist, sagt nach dieser Datenlage nichts über ihr kreatives Potenzial aus. Das widerspricht einer verbreiteten Annahme – nämlich dass Kreativität vor allem eine Frage der Selbstdisziplin sei.
Für die Arbeitswelt hat das konkrete Implikationen. Kreatives Denken in Teams lässt sich wahrscheinlich nicht allein über Prozesse und Methoden fördern. Ebenso wichtig dürfte sein, ob die Zusammensetzung des Teams Raum für unterschiedliche Persönlichkeitsprofile bietet – und ob die Kultur ungewöhnliche Denkwege zulässt, statt auf bewährte Routinen zu setzen.
Und für dich persönlich: Wenn du dich in deinem Myself at Work Profil auf der Seite der Offenheit wiederfindest, stehen die Chancen gut, dass du auch ein höheres kreatives Potenzial mitbringst. Und wenn du eher auf der Seite der Beständigkeit stehst, heißt das nicht, dass Kreativität verschlossen ist – aber dass sie möglicherweise über andere Zugänge entsteht.
Myself at Work – Europäisch gedacht, humanistisch fundiert
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Myself at Work verzichtet konsequent auf negativ wertende Aussagen. Unterschiedliche Persönlichkeitsausprägungen – etwa Arbeitsstile, kommunikative Präferenzen oder spezifische Anforderungen an Zusammenarbeit und Arbeitsumfeld – werden nicht als Abweichung, sondern als Ressource verstanden. Die Auswertung der Big-Five-basierten Ergebnisse erfolgt auf Basis eines humanistischen Menschenbilds, das Vielfalt, Entwicklung und Kontext als unverzichtbare Dimensionen von Persönlichkeit begreift.



