Die Sache mit dem Bauchgefühl

Manche Menschen entscheiden in Sekunden. Die Informationslage ist dünn, die Uhr läuft, und trotzdem steht am Ende ein klares Ja oder Nein. Andere brauchen Daten, Rückfragen, eine Nacht drüber schlafen — und selbst dann bleibt ein Rest Unsicherheit. Beides kommt in jeder Art von Zusammenarbeit vor und in der Teamarbeit ganz besonders. Und beides führt nicht selten zu Reibung.

In der Persönlichkeitsforschung lässt sich das gut einordnen. Drei Dimensionenpaare spielen hier zusammen: Offenheit und Beständigkeit, Gewissenhaftigkeit und Impulsivität, und Extraversion und Introversion.

Drei Dimensionen, ein Entscheidungsmoment

Menschen mit einer hohen Ausprägung in Offenheit tendieren dazu, neue Informationen schnell aufzunehmen und gedanklich zu verknüpfen. Sie sehen Muster, wo andere noch sortieren, und vertrauen häufig einer Art innerer Gesamtschau — dem, was wir umgangssprachlich Bauchgefühl nennen. Das ist keinesfalls Schlampigkeit. Es ist ein kognitiver Stil: assoziativ, explorativ, bereit für Ungewissheit.

Am anderen Ende des Spektrums — bei einer stärkeren Ausprägung in Beständigkeit — steht häufig der Wunsch nach Absicherung. Bewährte Wege, bekannte Muster, Erfahrungswerte. Das ist keinesfalls Ängstlichkeit. Es ist ein Stil, der auf Verlässlichkeit setzt, auf das, was sich schon einmal bewährt hat.

Dann kommt die zweite Dimension ins Spiel. Menschen mit hohen Werten in Gewissenhaftigkeit neigen dazu, Entscheidungen sorgfältig vorzubereiten: Informationen sammeln, Pro und Contra abwägen, Checklisten durchgehen. Wer stärker in Richtung Impulsivität ausgeprägt ist, entscheidet wahrscheinlich spontaner — und mit weniger Vorlauf und weniger Dokumentation.

Und dann ist da der Weg zur Entscheidung selbst. Menschen mit einer hohen Ausprägung in Extraversion denken häufig laut. Sie brauchen das Gespräch, den Austausch, das Ping-Pong mit anderen, um Klarheit zu gewinnen. Am anderen Ende des Spektrums — bei stärkerer Ausprägung in Introversion — passiert die Verarbeitung eher nach innen. Diese Menschen kommen typischerweise mit einem selbstreflektierten Ergebnis aus der Stille zurück, während zum Beispiel die extravertierte Kollegin mit unterschiedlichen Menschen den Austausch gesucht hat. Beide Wege können zu guten Entscheidungen führen. Aber sie sehen von außen grundverschieden aus — und werden deshalb oft falsch bewertet.

Im Team wird es interessant

Wenn diese Stile aufeinandertreffen, entsteht das, was viele als Kommunikationsproblem deuten. Die eine Person findet, dass endlos diskutiert wird. Die andere findet, dass zu schnell entschieden wurde. Beide haben aus ihrer Perspektive recht.

Der Punkt ist: Es geht selten um richtig oder falsch. Es geht um unterschiedliche Persönlichkeitsprofile, die unterschiedliche Zugänge zu Entscheidungen mitbringen, aber auch um Angemessenheit im jeweiligen Kontext. Wer das weiß, kann aufhören, den Kollegen für begriffsstutzig oder die Kollegin für voreilig zu halten — und anfangen, auch je nach Situation die jeweilige Stärke zu nutzen.

Die schnelle Entscheiderin liefert Tempo und Richtung. Der gründliche Abwäger liefert Absicherung und Tiefe. Gute Teams wissen idealerweise, wer was mitbringt, und können diese Unterschiedlichkeiten nutzen.

Was das für die Praxis heißt

Selbsterkenntnis verändert hier vor allem eines: die Bewertung. Wer versteht, dass das eigene Bauchgefühl kein universeller Maßstab ist, gewinnt Gelassenheit. Und wer erkennt, dass die eigene Gründlichkeit für andere wie Blockade wirken kann, findet leichter Kompromisse.

Kein Stil ist überlegen. Aber den eigenen zu kennen — und den der Menschen um einen herum — macht Zusammenarbeit konkret besser und erfolgreicher.

Myself at Work – Europäisch gedacht, humanistisch fundiert

Das Angebot von Myself at Work ist selbstverständlich DSGVO-konform: Keine Datenübertragung außerhalb Europas. Hosting, Verarbeitung und Evaluation erfolgen vollständig innerhalb der EU.

Myself at Work verzichtet konsequent auf negativ wertende Aussagen. Unterschiedliche Persönlichkeitsausprägungen – etwa Arbeitsstile, kommunikative Präferenzen oder spezifische Anforderungen an Zusammenarbeit und Arbeitsumfeld – werden nicht als Abweichung, sondern als Ressource verstanden. Die Auswertung der Big-Five-basierten Ergebnisse erfolgt auf Basis eines humanistischen Menschenbilds, das Vielfalt, Entwicklung und Kontext als unverzichtbare Dimensionen von Persönlichkeit begreift.

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